Als Günter Aulich 2020 in den Ruhestand ging, fühlte es sich zunächst wie Urlaub an. Endlich Zeit – auch für sein großes Hobby: das Reisen.
Doch zeitgleich begann die Corona-Pandemie. Es gab Kontaktbeschränkungen, geschlossene Einrichtungen und ein stark eingeschränktes öffentliches Leben veränderten den Alltag grundlegend. Die Situation wurde belastend, da das private und öffentliche Leben weites gehend eingeschränkt wurde.
Im Frühjahr 2021 wurde die Situation für ihn schwieriger. Eine tiefe Traurigkeit machte sich breit und er wollte am liebsten nur noch schlafen. Vier Wochen wartete er auf einen stationären Klinikplatz in Gilead III, einer Klinik für Psychiatrie- und Psychotherapie des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB). Dort verbrachte er die nächsten 6 Wochen, erhielt die notwendige Hilfe und die Anschlussperspektive, für ein paar Wochen die Tagesklinik zu besuchen.
Mit Unterstützung der Mitarbeitenden der Tagesklinik, entstand die Idee, vielleicht einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen, da diese u.a. Kontakt und Struktur vermitteln kann. Nach einem ersten Gespräch mit der Referentin für das Ehrenamt im EvKB, wurde Günter Aulich am Empfang des Krankenhauses Gilead I tätig. Er unterstützte Besucherinnen und Besucher, die ihn nach dem Weg zu den Stationen fragten, begleitete diese und trug auch manchmal Taschen oder andere Gepäckstücke. Diese ehrenamtliche Tätigkeit machte er mit Freude und Verlässlichkeit dreieinhalb Jahre lang.
Durch eine Veranstaltung zum Thema Ehrenamt im Herbst 2023 wurde er auf weitere Ehrenämter aufmerksam. Er nahm Kontakt zu anderen Ehrenamtlichen auf, die er ebenfalls beim Stammtisch in der Neuen Schmiede wieder traf und entschied sich letztendlich für den „Kulturöffner“. Ein Angebot der Begegnungszentren, bei dem Klientinnen und Klienten zu kulturellen Veranstaltungen wie z.B. Kino-, Theater- oder Museumsbesuche. begleitet werden. Günter Aulich unterstützt gern die beiden monatlichen Kulturöffner-Treffs im Begegnungszentrum Bültmannshof und im Begegnungszentrum Brackwede und die daraus resultierenden Veranstaltungen an den Wochenenden. Der Kontakt zu den anderen Ehrenamtlichen und den teilnehmenden Klientinnen und Klienten bereitet ihm große Freude. Das Ehrenamt bietet ihm Sinnhaftigkeit und ist zugleich Beschäftigung und Struktur in seinem Alltag.
Und wenn er mal keine Kulturveranstaltungen begleitet, geht er seinem Hobby, dem Reisen nach.