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Ehrenamt im Haus Gihon - Interview mit einer Bewohnerin

Kennst Du die Berge von Tirol?

Frau P.Redaktion: Frau P., seit wann leben Sie im Haus Gihon?
Frau P.: Von Anfang an. Als die anderen hier einzogen, bin ich auch gleich hier mit eingezogen. Vorher habe ich in Haus Wächter gewohnt. Das gibt es nicht mehr.
Redaktion: Seit wann leben Sie in Bethel?
Frau P.: Seit 50 Jahren. Wann genau ich nach Bethel gekommen bin, das steht in meinen Akten.
Redaktion: Darf ich fragen, wie alt sie sind?
Frau P.: Ich bin 1940 geboren. Wie alt bin ich im Juni geworden? Ich muss gerade mal überlegen.
Frau Sauf: 68 Jahre sind Sie jetzt alt. Bald 70.
Redaktion: Wissen Sie, wie viele Menschen hier im Haus leben?
Frau P.: Das weiß ich nicht genau, gezählt hab`ich sie noch nicht.
Redaktion: Frau P., Sie haben hier im Haus ein eigenes Zimmer. Was ist das Schönste an ihrem Zimmer?
Frau P.: Das ist der schönste Ausblick. Und wenn ich mich allein im Zimmer ein bisschen verhalten und beschäftigen kann, wo ich meine Zeit gut mit rum kriege.
Redaktion: Womit beschäftigen Sie sich?
Frau P.: Mit Handarbeiten, Decken aussticken. Kreuzstich.
Redaktion: Was ist das Beste hier im Haus?
Frau P.: Ich halte mich meist in meinem Zimmer auf. Im Essraum ist die meiste Unruhe. Dann rege ich mich auf. Ich liebe die Ruhe.
Redaktion: Sie brauchen viel Ruhe, das Alleinsein, das mit sich sein.
Gibt es hier im Haus Menschen, die sie sehr gern mögen?
Frau P.: Wie soll ich mich ausdrücken? Ich weiß mich jetzt nicht so richtig auszudrücken.
Frau Sauf: Mit wem unternehmen Sie was in der Woche?
Frau P.: Die heißt Frau R.. Die einmal in der Woche zu mir kommt.
Redaktion: Was machen Sie mit Frau R.?
Frau P.: Ich frage dann: „ Was hast du vor? Möchtest du mit mir rausgehen zur „Neuen Schmiede", oder wollen wir hier ein Spiel unternehmen?"
Dann schlägt sie selbst eins vor, weil ich möchte, dass sie auch mal selbst eins vorschlägt. Dann sagt sie: "Och Edeltraut, lass uns lieber noch mal zur Neuen Schmiede gehen." Und dann gehe ich mit ihr da rüber und wenn`s mal nicht geht, dann beschäftigen wir uns mit Spielen.
Redaktion: Was spielen Sie am liebsten mit ihr?
Frau P.: „Elfer raus!" „ Mensch ärgere dich nicht".
Redaktion: Gehen Sie mit Frau R. nur in die Neue Schmiede oder auch woanders hin?
Frau P.: Sie sagte irgendwann mal: „Wenn du einen Wunsch hast, fahre ich auch gern mit dir zum Marktkauf."
Redaktion: Unterhalten Sie sich auch mit ihr?
Frau P.: Ich sage ihr: „Sie können mich auch erst fragen, was ich über tags so erlebt habe." Dann erzähle ich ihr, was denn so gewesen ist. Wenn ich meine Sachen erzählt habe, spricht sie von ihrer Arbeit, wo sie dort ist und was gut geklappt hat. Sie ist auch abends manchmal kaputt gearbeitet.
Redaktion: Erzählen Sie ihr auch von ihren eigenen Sorgen und Nöten?
Frau P.: Nein, das bespreche ich lieber mit den Angestellten (Hauptamtlichen) bei uns im Haus, Frau Sauf oder dem Frühdienst auf meiner Gruppe.
Redaktion: Wünschen Sie sich etwas von ihr, was Sie ihr noch nicht gesagt haben?
Frau P.: Ich sage nur immer, wenn ich was für mich persönlich brauche, dass ich zum Marktkauf müsste. Letzte Woche ist sie mit mir zum Marktkauf gefahren, ich brauchte noch Zahnpasta und Odol, und hat das zusammen mit mir und auch gleich für sich zu Hause eingekauft.
Redaktion: Frau R. geht auf ihre Wünsche auch gern ein. Sehen Sie auch manchmal mit ihr fern?
Frau P.: Nicht so oft. Ich habe einen eigenen Fernseher. An manchen Stellen flimmert das so vor meinen Augen, und dann sagt Frau R., wir machen uns lieber eine CD an. Ich habe einen CD - Kasten, und dann darf ich auch aussuchen, welche CD ich gern mal wieder hören möchte.

Frau P. und Fr. Gärtner (Redaktion)Redaktion: Was hören Sie denn gern?
Frau P.: Maria und Margot: Kennst du die Berge in Südtirol.
Redaktion: Sie mögen gern Heimatmusik. Und die hören Sie dann zusammen?
Frau P.: Ja! (Und lacht)
Redaktion: Haben Sie sich schon mal über Frau R. geärgert?
Frau P.: In keinem Fall. Wüsste ich nicht! Wüsste ich nicht! (Ruft sie und strahlt.)
Redaktion: Sie freuen sich immer, wenn Frau R. kommt.
Frau P.: Ja, sie ist immer jede Woche Mittwoch da. Abends kommt sie dann.
Redaktion: Und darauf können sie sich auch verlassen?
Frau P.: Ja, sicher. Sehr. Und wenn sie nicht kann, ruft sie bei mir an, und sagt: „Edeltraut, ich komme ein bisschen später, ich muss mich mit meiner Arbeit noch weiter beschäftigen."
Redaktion: Machen Sie lieber etwas mit ihr allein oder auch mit anderen?
Frau P.: Ich sage zu ihr: „Lass uns bitte allein bleiben." Hinter mir sitzt gleich wieder eine Person, was mich zum Ärger bringt. Ich habe nicht gern, wenn jemand hinter meinem Besuch herrennt. Das darf ich auch nicht. Ich darf auch nicht hinter ihrem Besuch herrennen.

Redaktion: Gibt es hier im Haus noch andere Ehrenamtliche?
Frau Sauf: Ja, noch drei weitere Personen, die jeweils eine Einzelbetreuung machen. Wichtig ist uns, dass die Interessen unserer einzelnen Bewohner wahrgenommen werden.
Redaktion: Sollte es hier im Haus noch mehr ehrenamtliche Mitarbeiter geben?
Frau Sauf: Natürlich würden wir uns das wünschen. Wie Sie gerade in diesem Interview erkennen können, sehen Sie, wie freudig Frau P. erzählt, wenn Frau R. kommt und wie viel Freude ihr das macht, wie verlässlich Frau R. ist. Wir würden uns das für viele andere Menschen, die hier im Haus leben, auch wünschen.

Redaktion: Was tun die Ehrenamtlichen, was die Hauptamtlichen nicht machen können?
Frau P.: Frau R. bleibt abends bis acht Uhr. Dann fährt sie nach Hause.
Ich musste ja einen haben, mit dem ich alles unternehme und so. Hätte ich das nicht, die Hauptamtlichen hätten auch keine Zeit, und dann sagen sie, uns fehlt jetzt die Zeit, um das für dich zu machen.
Redaktion: Gehen Sie auch allein in den Marktkauf?
Frau P.: Nein, das traue ich mich nicht. Ich könnte umknicken und dann liege ich da. Ich muss schon jemanden bei mir haben.
Redaktion: Warum kommt Frau R. zu Ihnen? Hat sie viel Zeit?
Frau P.: Damals, als wir uns kennen lernten, hatte sie noch keine Arbeit. Wenn sie jetzt mal später kommt, sagt, sie: „Edeltraut, ich hatte wieder zu viel Arbeit." Ich sage dann: „Jetzt noch der Weg zu mir, ist das nicht zu viel?" Sie sagt dann, dass wir bis um acht Uhr was machen können.

Redaktion: Wie lange kennen Sie Frau R.?
Frau Sauf: Mindestens zehn Jahre.
Redaktion: Das müssen Sie sicherlich mal feiern!
Frau Sauf: Anfang des Jahres veranstalten wir hier ein Neujahrsbrunch. Die Bewohnerinnen und Bewohner laden zu diesem Fest alle ihre freiwilligen Helfer, Verwandte und Freunde ein. Dieses ist unter anderem ein kleines Dankeschön an die Ehrenamtlichen.

Redaktion: Wie lange möchten Sie, sollte Frau R. noch kommen?
Frau P.: Ich habe ihr gesagt, sie möchte so lange kommen, wie es noch geht für sie. Ich freue mich, wenn sie jede Woche kommt und wenn wir was unternehmen kön-nen. Das ist immer meine beste Freude. Wenn ich nur im Haus säße und hätte keinen um mich, das sähe schlimm aus.
Redaktion: Ist Frau R. ihre Freundin?
Frau P.: Das nicht. Als ich sie kennen lernte, habe ich sie gefragt, ob sie sich jetzt im-mer um mich kümmert. Ja, sicher, hat sie da gesagt, ich komme jede Woche einmal.
Redaktion: Frau P. ich habe ganz viel erfahren und wie sehr sie sich darüber freuen, Frau R. einmal in der Woche zu treffen und etwas gemeinsam zu unternehmen.

Ich danke Ihnen und Frau Sauf sehr herzlich für dieses Gespräch.

Redaktion: Erika Gärtner
Fotos: Evelin Krüger

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